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Meine Geschichte

Von der Mauer
zur Kandidatur.

1989 wollte meine Familie nur eines: wieder zusammen in Freiheit leben. Mein Vater war bereits im Westen — meine Mutter, mein Bruder und ich saßen in Gommern fest. Fünf Monate lang. Erst wenige Wochen vor dem Mauerfall durften wir ausreisen; das Wiedersehen fand auf einem Bahnsteig in Helmstedt statt.

Chronologie der Flucht meiner Familie 1989

  1. 1982

    Die ersten Fluchtversuche

    Meine Eltern versuchen, im Kofferraum eines Autos über Bulgarien in den Westen zu fliehen. Es scheitert. Es folgen Jahre vergeblicher Ausreiseanträge.

  2. 15. Mai 1989

    Mein Vater geht zuerst

    Nach dem fünften Antrag erhält mein Vater Eckhard ein Visum in den Westen — und bleibt in der Bundesrepublik. Der Plan: Meine Mutter, mein Bruder und ich kommen nach. Doch die DDR-Behörden lassen uns nicht gehen.

  3. August 1989

    Botschaft Prag, Stasi in Bonn

    Aus Verzweiflung besetzt meine Mutter die Deutsche Botschaft in Prag, mein Vater wendet sich an die Ständige Vertretung der DDR in Bonn. Dort setzen ihn Stasi-Beamte nach zwei Stunden auf die Straße. Nach 22 Tagen gibt meine Mutter entnervt auf.

  4. 29. Sept. 1989

    „Laßt uns wieder eine Familie sein!“

    Die NEUE REVUE macht unseren Fall öffentlich. Millionen Menschen lesen von der geteilten Familie Rau aus Gommern — und der Druck auf die DDR-Behörden wächst.

  5. 18. Okt. 1989

    Der Tag, an dem Honecker fällt

    Meine Mutter geht zum Rat des Kreises Burg. Die Antwort: „Nein, Frau Rau, Sie dürfen nicht ausreisen.“ Am selben Tag wird Erich Honecker entmachtet.

  6. 20. Okt. 1989

    Gleis 1, Bahnhof Helmstedt

    Der entscheidende Anruf kommt einen Tag später: „Morgen dürfen Sie ausreisen.“ Wir geben unser Zuhause in Gommern auf. Im D-Zug 444 fahren wir von Magdeburg über die Grenze. Auf Gleis 1 in Helmstedt sehen wir meinen Vater nach fünf Monaten wieder. Familie Rau ist wieder komplett.

  7. Weihnachten 1998

    Verantwortung übernommen

    Neun Jahre nach unserer Ausreise stirbt mein Vater überraschend an Weihnachten 1998 — und hinterlässt hohe Schulden. Unser Haus soll zwangsversteigert werden, der Gerichtsvollzieher steht fast täglich vor der Tür. In dieser Zeit übernehme ich Verantwortung für meine Familie. Diese Erfahrung hat mich geprägt wie kaum eine andere.

  8. Heute

    Zurück in Gommern

    Ich lebe wieder in dem Ort, den wir damals zurücklassen mussten — und kandidiere für die Menschen, die hier zu Hause sind. Freiheit, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung sind für mich keine Selbstverständlichkeiten. Ich weiß, was es kostet, wenn sie fehlen.

Die Schlagzeilen von damals

Millionen lasen von Familie Rau.

Im Herbst 1989 machte die NEUE REVUE unseren Fall öffentlich — und der Druck auf die DDR-Behörden wuchs. Zum Lesen auf einen Ausschnitt tippen.

Berichterstattung der NEUE REVUE, September/Oktober 1989. © beim Verlag — die Wiedergabe erfolgt zu Dokumentationszwecken.

Warum diese Geschichte heute zählt

„Freiheit, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung sind für mich keine Selbstverständlichkeiten. Ich weiß, was es kostet, wenn sie fehlen.“Phillipp-Anders Rau

Heute lebe ich wieder in Gommern — in dem Ort, den wir damals zurücklassen mussten. Und ich kandidiere für die Menschen, die hier zu Hause sind.

Wer einen Wechsel will, muss ihn mittragen.

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